Gold in Cannes für Dokumentarfilm

29.10.2012
Der Dokumentarfilm "Behind the Screen - Das Leben meines Computers" von Master-Studierenden MultiMediaArt gewann Gold bei den Cannes Corporate Media & TV Awards.
Gold für Dokufilm: Producerin Sandra Heberling bei der Preisverleihung in Cannes.

Bei den Cannes Corporate Media & TV Awards am 18. Oktober 2012 wurden die besten Corporate Filme, Online Medien und TV-Dokumentationen ausgezeichnet. In der Kategorie "Environment & Ecology" gewann "Behind the Screen - Das Leben meines Computers" die Goldmedaille.

In jeder Sekunde werden weltweit 7 Computer produziert, aber nur 4 Menschen geboren. Wer einen Computer kauft, dem ist meist nicht bewusst, unter welchen umweltbelastenden und oft menschenunwürdigen Bedingungen sie hergestellt und entsorgt werden. "Behind the Screen - Das Leben meines Computers" erhellt diese Thematik und zeigt die wesentlichen Stationen im Leben eines PC – vom Rohstoffabbau, über Fertigung und Gebrauch, bis zur Endablagerung.

"Unser Ziel war es, die unsichtbare Produktionsgeschichte hinter einem Alltagsgegenstand sichtbar zu machen", sagt Stefan Baumgartner, der die 60-minütige Dokumentation gemeinsam mit Simon Fraissler und Sandra Heberling gedreht hat. Die aufwendige Produktion ist die Abschlussarbeit der drei Filmschaffenden im Fach "Future Cinema" im Masterstudiengang MultiMediaArt an der Fachhochschule Salzburg.

"Das Leben meines Computers" begleitet die Entstehungsgeschichte eines PCs vom Rohstoffabbau in Westafrika über die Fertigung von Leiterplatten in der Tschechischen Republik, die Benutzung in Österreich bis hin zum "Recycling" auf großen Elektromüllhalden in Ghana.

Dreharbeiten in Ghana und Tschechien

Was die Studierenden im Zuge ihrer Recherchen herausgefunden haben, wirft dunkle Schatten auf das saubere Image der Computerbranche. Hunderttausende von Tonnen kaputter Computer und Fernseher werden Jahr für Jahr aus Europa in Länder der Dritten Welt verschoben. Der Elektroschrott landet auf großen Müllhalden, wie in Accra, der Hauptstadt Ghanas. Kinder und Jugendliche suchen den Müll nach Verwertbaren ab, verbrennen Kabel und Geräteteile und vergiften sich dabei.

"Ein schwieriges Umfeld für Dreharbeiten", wie Baumgartner berichtet. "Auf den Müllhalden haben wir mit einem Umweltjournalisten zusammenarbeitet, der die Verhältnisse vor Ort kennt, sonst wäre es unmöglich gewesen. Noch riskanter waren die Dreharbeiten über die Rohstoffgewinnung im Regenwald Ghanas. Wir haben uns illegal auf dem Land der Minenbetreiber aufgehalten und die Goldschürfer interviewt. Auch beim großen Computer-Auftragshersteller Foxconn in der Tschechischen Republik waren wir keine gern gesehen Gäste", verrät der 29-jährige Salzburger. "Die meisten Arbeiter in den großen Herstellungswerken sind Migranten, auf die großer Druck ausgeübt wird. Die Interviews konnten wir nur anonym durchführen."

Weitere Informationen sowie der Trailer zum Film finden sich auf www.behindthescreen.at sowie www.facebook.com/behindthescreenfilm

Author: Martin Ortner