200 Flüchtlingsboote für Reformationsjubiläum

22.07.2015
Zum Reformationsjubiläum 2017 bekommt Wittenberg sieben "Tore der Freiheit", die um die Altstadt herum die erwarteten Hunderttausenden von Besuchern thematisch auf die Weltausstellung Reformation einstimmen sollen. Unter den acht Entwürfen, die aus einem geladenen Ideenwettbewerb ausgewählt worden sind, ist auch der des Studiengangs Holztechnologie & Holzbau.
Schiffswracks aus dem Projektplan
Schiffswracks aus dem Projektplan
Das Projektteam, bestehend aus Lehrenden und Studierenden der Studiengänge Holztechnologie & Holzbau und Design & Produktmanagement: Hermann Huber, Lidia Mulet Cabrera und Matús Chlpek
Das Projektteam, bestehend aus Lehrenden und Studierenden der Studiengänge Holztechnologie & Holzbau und Design & Produktmanagement: Oben v. links: Hermann Huber, Lidia Mulet Cabrera und Matús Chlpek und Unten v. links: Jirí Vala, Kathrin Bart, Michael Ebner, Monika Tropper-Grinschgl und Michael Leube
Jirí Vala, Kathrin Bart, Michael Ebner, Monika Tropper-Grinschgl und Michael Leube

Vor 500 Jahren schlug Martin Luther seine 95 Thesen gegen den Missbrauch des Ablasshandels an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg und veränderte damit nicht nur die kirchliche Welt, sondern setzte eine Reformation in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur in Gang.

„Seit 1993 sind über 13.000 Migranten und Flüchtlinge beim Versuch zu Tode gekommen, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Hinzugerechnet nicht jene, die nie offiziell registriert wurden. Experten gehen davon aus, dass die Zahl mindestens dreimal so hoch ist“, erzählt Designer Michael Ebner. Basierend auf der Aussage Martin Luthers: „Unser Nächster ist jeder Mensch, besonders der, der unser‘ Hilfe braucht“ entstand die Idee für Tor 4 „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“.

Metapher für das Mittelmeer

Dafür wollen die Kuchler 200 gestrandete Flüchtlingsboote von Italiens Küsten entlang der Migrationsrouten bis nach Wittenberg transportieren. Im Norden der Wallanlagen rund um die alte Lutherstadt entsteht daraus ein Holztor, außerdem wird der sogenannte Schwanenteich mit blaubemalten Booten – als  Metapher für das Mittelmeer - befüllt. "Mit dem Projekt der FH Salzburg  werden die Probleme der Welt auch in unsere Idylle hineingetragen", sagte Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör bei der Verkündigung der Juryentscheidung.

Die Kuchler Studierenden und Lehrenden befinden sich übrigens in renommierter Gesellschaft: 21 Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat der Verein Reformationsjubiläum 2017 eingeladen, die Themen für die Friedenstore umzusetzen. Neben den Salzburgern überzeugten die Bauhaus-Universität Weimar, der Fachbereich Design der Hochschule Düsseldorf, der Fachbereich Gestaltung der Hochschule Mainz, die Universität Wien, die Technische Universität Cottbus-Senftenberg, die Hochschule für Technik Stuttgart und die Berliner Universität der Künste.

Wie schon 2013 beim Gewinn des Solar Decathlon in Kalifornien mit dem Plusenergiehaus LISI ist es nun Aufgabe von Studiengangsleiter Alexander Petutschnigg, das anspruchsvolle Projekt in die Realität umzusetzen: „Wir müssen zuerst klären, wem die Wracks gehören, die in Bootsfriedhöfen vor sich hin modern. Auch mit dem Transport ist eine Menge Bürokratie verbunden.“ Geplant ist überdies, dass die Berliner Flüchtlingsinitiative „Cucula" alte Wrackteile von Flüchtlingsbooten in ihre Möbel einbaut. Das Wort „Cucula" stammt aus der Hausa-Sprache aus Westzentralafrika und bedeutet „etwas gemeinsam machen" und „aufeinander aufpassen".

Autor: Manu Kliemstein