FH Salzburg erhält zum dritten Mal Staatspreis für Lehre

27.06.2017
Am 26. Juni erhielt Mag. Ursula Reisenberger den Staatspreis für exzellente Lehre („Ars docendi“) für ihr innovatives Lehrveranstaltungskonzept am Studiengang Hebammen der FH Salzburg (im Bild links mit MR Univ.-Doz. Dr. Gerhard Pfeisinger, Leiter der Abteilung für Wissenschaftsvermittlung, BMWFW) (c) BMWFW/Lusser
Am 26. Juni erhielt Mag. Ursula Reisenberger den Staatspreis für exzellente Lehre („Ars docendi“) für ihr innovatives Lehrveranstaltungskonzept am Studiengang Hebammen der FH Salzburg (im Bild links mit MR Univ.-Doz. Dr. Gerhard Pfeisinger, Leiter der Abteilung für Wissenschaftsvermittlung, BMWFW) (c) BMWFW/Lusser
Die "Präsenz" ist für Ursula Reisenberger wesentliche Grundvoraussetzung und Fokus im Unterricht mit den angehenden Hebammen (c) FH Salzburg/Zoidl
Die "Präsenz" ist für Ursula Reisenberger wesentliche Grundvoraussetzung und Fokus im Unterricht mit den angehenden Hebammen (c) FH Salzburg/Zoidl

Zum dritten Mal geht der „Ars docendi“, der Staatspreis des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW), an die FH Salzburg. Und wieder wurde ein besonders innovatives Lehrkonzept ausgezeichnet. Der Fokus liegt in diesem besonderen Fall neben dem akademischen Fachwissen auf der Persönlichkeit und der Rückbesinnung auf die eigenen Fähigkeiten in der Hebammenarbeit.

Eigentlich ist Ursula Reisenberger Dramaturgin und Regisseurin. 2015 hat sie Hebammen-Studiengangsleiterin Margit Felber an die FH Salzburg geholt. Seither unterrichtet die gebürtige Salzburgerin als externe Lehrende angehende Hebammen an der FH. Wie geht das zusammen, mag man sich fragen. Das Prinzip ist simpel und bei näherer Betrachtung wird die Notwendigkeit deutlich: Hebammen sehen sich in ihrem Berufsalltag regelmäßig mit Situationen konfrontiert, die sie in kürzester Zeit richtig einschätzen müssen. In solchen Momenten ruhig, aus der Erfahrung und dem adäquaten fachlichen Wissen heraus reagieren zu können, ist in diesem verantwortungsvollen Beruf entscheidend.

„Präsenz“ als Grundvoraussetzung

In jeweils dreitägigen Workshops treffen sich die Studentinnen mit Ursula Reisenberger zum Workshop. Ziel ist es, den Teilnehmerinnen in unterschiedlichen Übungen konkrete Erfahrungen zu vermitteln, anhand derer sie ihre eigene Präsenz – das völlige „da sein“ und in der Situation „bei sich sein“ - klarer wahrnehmen und deren Entwicklungspotential einschätzen lernen. „‘Präsenz‘ meint dabei die physische und mentale Anwesenheit in einer konkreten Situation. Das Konzept und einige Übungen kommen aus dem Bereich des Theaters, wo Präsenz, das Agieren und Reagieren aus dem Moment, wichtige Grundvoraussetzungen bei der Erarbeitung von Stücken oder Rollen sind. Doch das, was die Schauspieler dabei lernen und erfahren, lässt sich auch auf andere Berufsbilder, wie das der Hebamme, übertragen“, erkärt Ursula Reisenberger.

Reisenberger: „Eine derartige Offenheit ist gerade in der Geburtshilfe von entscheidender Bedeutung. Im Moment der Geburt ist die Hebamme einer Situation ausgesetzt, von der sie einerseits nicht vorhersehen kann, was sie von ihr fordern wird, und in der andererseits jede ihrer Reaktionen potentiell enorme Konsequenzen hat. Wenn es ihr gelingt, in diesem Moment die Verbindung zu sich selbst aufrecht zu erhalten, ‚präsent‘ zu sein, ohne sich an erwartete Abläufe oder Zusammenhänge zu klammern, dann ist die ganze Fülle ihres Wissens, sei es erlernt oder erfahren, im vollen Umfang für sie verfügbar und kann situationsgemäß eingesetzt werden.“

Innovative Hochschuldidaktik

Besonders erfreulich ist, dass die internationale Jury in der Vergabe dieses außergewöhnliche Konzept ausgezeichnet hat. In der (Berufs-)Ausbildung steht oft die Vermittlung akademischer Inhalte sehr zentral im Mittelpunkt. In der Hochschuldidaktik setzt die „Präsenz in der Hebammenarbeit“ an der Erfahrung der Studentinnen an. „Das Vertrauen, dass der Erwerb von Erkenntnis und Wissen auch durch den und im eigenen Körper stattfindet, ist gerade für zukünftige Hebammen von entscheidender Bedeutung“, bestätigt auch Hebammen-Studiengangsleiterin Margit Felber.

Ars docendi: FH Salzburg mehrfach ausgezeichnet

2016 ging der Ars docendi Staatspreis in der Kategorie „Lehre unter besonderer Berücksichtigung unterschiedlicher Bildungsbiografien und/oder unterschiedlicher Vorkenntnisse" an FH-Prof. DDI Dr.techn. Thomas Reiter und sein Team von der FH Salzburg (Studiengang Smart Building).

2014 erhielten FH-Prof. DI Dr. Hilmar Linder (Studiengangsleiter MultiMediaTechnology) und Dr. Susanne von Baeckmann – Lehrende am Studiengang – in der Kategorie MINT (Mathematik, Informatik, Natur- und Technikwissenschaften) die renommierte Auszeichnung.



Mag. Ursula Reisenberger. Geboren 1966 in Salzburg, hat Ursula Reisenberger Germanistik und Geschichte in Salzburg und Wien studiert. Nach sieben Jahren als Dramaturgin und Regisseurin in Deutschland und Österreich gründete sie 2001 das Theaterprojekt „ortszeit“ mit Produktionen in Österreich, Deutschland, Brasilien und den USA. Ein besonderes Beispiel ihrer site-spezifischen Arbeitsweise war ein Projekt, das die Gruppe über den Zeitraum von acht Jahren in Leogang im Pinzgau verwirklicht hat. Sie unterrichtet u.a. Kunststudierende, zukünftige ManagerInnen, SchauspielerInnen und WissenschaftlerInnen (u.a. an der Universität für Angewandte Kunst, Wien; Central Saint Martins University of the Arts, London). Seit 2015 unterrichtet sie an der FH Salzburg angehende Hebammen. Sie ist außerdem Teil des Think Tanks feedback_future feed  in New York sowie des künstlerischen Forschungsprojektes Orientation das Gardening, das in Kooperation mit Akademie der Bildenden Künste, Wien, und Central Saint Martins, London, in Tokio, London und Wien stattfindet.

Der „Ars docendi - Staatspreis für exzellente Lehre an den öffentlichen Universitäten Österreichs“ wurde 2013 erstmals vergeben und 2014 auf die Fachhochschulen und Privatuniversitäten – in Kooperation mit der Fachhochschulkonferenz, der Privatuniversitätenkonferenz und der Hochschüler/innenschaft - ausgeweitet. 2015 wurden erstmals Preisträger/innen von Universitäten, Fachhochschulen und Privatuniversitäten gemeinsam ausgezeichnet.