Das Homeoffice für die Kreislaufwirtschaft

Ressourcen neu denken – Aus Müll mach neu

Ziel der Kreislaufwirtschaft ist es, statt frischem Material möglichst viel schon vorhandene Sekundärrohstoffe weiter zu verwenden. Das gilt besonders für den Baubereich, der enorm ressourcenlastig ist und in dem die Verknappung von Baustoffen derzeit stark zu spüren ist. Aus einem Projekt zur Wiederverwertung von Baumaterialien ist nun ein Schreibtisch entstanden, der nicht nur Impulse für das zirkuläre Wirtschaften gibt, sondern auch für neue Formen der Arbeit.

Die Menschheit hinterlässt unübersehbare „Gebrauchsspuren“ am Planeten Erde: die von uns geschaffene globale Infrastruktur mit allen Häusern, Straßen, Maschinen, Autos und Gebrauchsgegenständen ist mittlerweile schwerer als die gesamte Biomasse an Land, sprich alle Pflanzen, Tiere, Pilze und Menschen zusammen. Unser Ressourcenverbrauch hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg in etwa alle 20 Jahre verdoppelt und Geologen bezeichnen mittlerweile das von unseren Strukturen geprägte Zeitalter als Anthropozän – das Zeitalter des Menschen.

Höchste Zeit also, dass ressourcenschonende Konzepte nicht nur erdacht, sondern auch in der Praxis umgesetzt werden. Besonders im Bausektor ist ein Umdenken wichtig. Denn bei der energieintensiven Herstellung von Baustoffen wie Beton entstehen einerseits große Mengen an Treibhausgasemissionen. Andererseits wandern rund 60 Prozent der weltweiten Ressourcen in die Bauwirtschaft und gleichzeitig ist sie für rund die Hälfte des weltweiten Abfallaufkommens verantwortlich. Eine nachhaltige Planung von Gebäuden berücksichtigt deshalb nicht nur den Bau, sondern verschiedene Nutzungsphasen über den Lauf der Zeit, sowie auch den möglichst schonenden Rückbau und die Wiederverwertung der eingesetzten Materialien.

Genau dort setzt ein noch bis 2024 laufendes Forschungsprojekt an, bei dem neben dem Fachbereich Holztechnologie und Holzbau der FH Salzburg auch die Bautechnische Versuchs- und Forschungsanstalt Salzburg, die Universität Salzburg (Fachbereich Chemie und Physik der Materialien), sowie die Bauunternehmen Salzburg Wohnbau, Deisl Beton und Steiner Bau beteiligt sind. Ziel ist es, Materialien aus Bestandsgebäuden zurückzugewinnen und bei neuen Bauprojekten einzusetzen. Der Fokus liegt beim Projekt „CICO – Circular Concrete“ auf Altbeton, der beim Abriss der Gebäude anfiel. Forschung und Praxis sind dabei eng verknüpft: neben der Entwicklung von Methoden zur schonenden Rückgewinnung der Materialien und einer recyclinggerechten Planung mittels digitaler Werkzeuge, sollen die gewonnenen Baustoffe direkt in neuen Projekten eingesetzt werden. Ein Beispiel ist die Volksschule in Anif, bei der die beim Bestandsrückbau entstandenen 3.300 Tonnen Altbeton im derzeit entstehenden Neubau ein zweites Leben erhalten.

Ebenfalls berücksichtigt wird eine spätere Nutzbarkeit der eingesetzten Materialien, wenn die Neubauten in vielen Jahrzehnten wiederum selbst zurückgebaut werden sollen. Statt Downcycling, also einer Abwertung der eingesetzten Stoffe, sollen die Materialien auch dann wieder als hochwertiger Recyclingbeton – statt nur als Schüttung im Tiefbau – zum Einsatz kommen können. Rückenwind erhält die Entwicklung dadurch, dass mineralische Baustoffe ab 2024 in Österreich nicht mehr deponiert werden dürfen.

New Work: Altes Material für neue Arbeitskonzepte

Beim Rückbau des Gebäudes fällt aber nicht nur Beton an. Auch der hölzerne Dachstuhl mit Sparren und Latten bietet eine stoffliche Grundlage für Neues. Die Salzburg Wohnbau suchte gemeinsam mit der Fachhochschule Salzburg und Fachbereichsleiter Holzbau Hermann Huber nach Lösungen zur erneuten Verwendung des Materials. Am Anfang stand die Aufbereitung der Altholzreste, sprich die Säuberung und das Entfernen von Nägeln oder sonstigen Verbindungsmitteln. Zu Spänen zerkleinert wurden die Reste mit Zement als Bindemittel zu Innenausbauplatten verarbeitet, die auch Brandschutzkriterien genügen. Die Platten sind nicht nur reines Forschungsexperiment, sondern bereits in der neugebauten Volksschule von Anif verbaut.

Von Roland Wernik, Geschäftsführer von Salzburg Wohnbau, stammt die Idee das Altholz zu einem Schreibtisch zu verarbeiten. Im Möbelkonzept wird dabei auch der Wandel in der Arbeitswelt mit verstärkter Homeofficetätigkeit berücksichtigt: die Tischplatte mit den Maßen 70 x 142 cm beansprucht nur einen Quadratmeter Wohnfläche, kann aber dank der ausdrehbaren Arbeitsfläche um fast das doppelte erweitert werden. Die Konstruktion fördert nicht nur das gesunde Arbeiten im Stehen auf Pulthöhe, sondern bietet auch Stauraum für Akten oder Utensilien. In ihrer Bachelorarbeit entwickelte die HTB-Studentin Isabell Bittner das Konzept aus und HTW-Masterstudent David Struber fertigte den Tisch nach ihren Bauplänen in der Modellbauwerkstatt am Campus.

Von Roland Wernik, Geschäftsführer von Salzburg Wohnbau, stammt die Idee das Altholz zu einem Schreibtisch zu verarbeiten. Im Möbelkonzept wird dabei auch der Wandel in der Arbeitswelt mit verstärkter Homeofficetätigkeit berücksichtigt: die Tischplatte mit den Maßen 70 x 142 cm beansprucht nur einen Quadratmeter Wohnfläche, kann aber dank der ausdrehbaren Arbeitsfläche um fast das doppelte erweitert werden. Die Konstruktion fördert nicht nur das gesunde Arbeiten im Stehen auf Pulthöhe, sondern bietet auch Stauraum für Akten oder Utensilien. In ihrer Bachelorarbeit entwickelte die HTB-Studentin Isabell Bittner das Konzept aus und HTW-Masterstudent David Struber fertigte den Tisch nach ihren Bauplänen in der Modellbauwerkstatt am Campus.

Offensichtlich sind die Spuren des ersten Lebens in der Tischplatte. Verfärbungen und Nagellöcher wurden bewusst im Material belassen und weisen auf seine Vergangenheit als Baumaterial hin. Damit das Projekt nicht ungenutzt als reines Vorzeigeobjekt sein Dasein fristet, wird eine Version des Tischs im Büro der Salzburger Wohnbau zum Einsatz kommen, die andere als Arbeitsplatz am Campus Kuchl der FH Salzburg. Konzepte wie diese können das Bewusstsein für die Wiederverwertung von Rohstoffen fördern und dazu beitragen, dass Gebäude in Zukunft als wertvolle Rohstoffquelle gesehen werden, mit denen Primärressourcen geschont werden können.