04. Februar 2026

Der Herr der Rinde

In den Alumni Stories erfahren Sie, welchen spannenden beruflichen Werdegang unsere Absolventinnen und Absolventen nach ihrem Studium an der FH Salzburg eingeschlagen haben. Lassen Sie sich von den #Karrierewegen inspirieren.

Wie Frodo einst mit dem einen Ring aufbrach, um die Welt vor dem Dunkel zu bewahren, so macht sich Researcher Thomas Sepperer vom Campus Kuchl auf den Weg in die spannende Welt der biogenen Materialien. insbesondere der Rinde, um deren verborgenes Potenzial zu heben und damit neue Wege für eine nachhaltige Zukunft zu eröffnen. Während „Der Herr der Ringe“ eine Fantasiegeschichte erzählt, bewegt sich Thomas in der Realität – doch seine Forschungsergebnisse wirken mindestens ebenso fabelhaft und fast unglaublich.

Thomas Sepperer, Department Design and Green Engineering
Thomas Sepperer, Department Design and Green Engineering (© FH Salzburg/wildbild)

In der Forschungsgruppe „Green Materials and Processing“ arbeitet er intensiv am Projekt Salzburg Center Smart Materials 2.0. Ziel des Forschungsprojektes ist es, aus Reststoffen hochwertige Anwendungen zu entwickeln und Materialien, die bislang im Müll landeten, in ein „Second Life“ zu überführen. Anschauliche Beispiele verdeutlichen das Potenzial: So lassen sich aus Kaffeesatz, der beim Brühen zurückbleibt, Fette und Öle gewinnen, die zur Imprägnierung von Holz eingesetzt werden. Ein weiterer vielversprechender Ansatz ist es, Rinde in einem speziellen Prozess so zu transformieren, dass daraus Folien oder Schaumstoffe für industrielle Anwendungen entstehen. Doch die Liste an Reststoffen aus Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie, mit denen sich Thomas darüber hinaus beschäftigt hat, ist noch wesentlich länger. Auch Molkereinebenprodukte wie Sauermolke oder Spülmilch lieferten bereits spannende Ansätze. Zudem treibt er in zahlreichen Firmenprojekten und Innovationsschecks beispielsweise die Entwicklung biogener Klebstoffe oder Urnen aus Tannin voran. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Betreuung von Studierenden bei ihren Bachelor- und Masterarbeiten.

Vom Holzbau zur Holztechnologie zur Kreislaufwirtschaft 

Die bisherige Laufbahn von Thomas war alles andere als ein „Holzweg“ und dass der gebürtige Salzburger sich nun unter anderem mit Rinde und Kaffeesatz beschäftigt, war so nicht von Beginn an geplant. Angefangen hat sein Weg in die Welt der nachwachsenden Rohstoffe klassisch mit einer Ausbildung am Holztechnikum Kuchl. In diesen fünf Jahren hat Thomas den Werkstoff Holz nicht nur kennengelernt, auch seine Begeisterung für das Material und dessen vielfältige Anwendungsmöglichkeiten wurde entfacht. Nach seinem Zivildienst war ihm klar, dass er das Thema weiterverfolgen möchte, und er entschied sich für das Studium von Holztechnologie und Holzbau. Dank seiner Vorkenntnisse konnte er statt im ersten, direkt im dritten Semester einsteigen. 

Seitdem hat er eine große Bandbreite an Projekten absolviert, die zeigt, wie vielfältig das Thema Holz und biogene Materialien sein kann. In seiner ersten Bachelorarbeit konzipierte er eine Kapelle in Holzbauweise für die Gemeinde Hintersee im Salzkammergut. Das Schöne an dem Projekt: Der Bau wurde nach den Plänen des Bacheloranden umgesetzt und ist nun Denkmal für das wahrscheinlich bekannteste Weihnachtslied der Welt, „Stille Nacht, heilige Nacht“, dessen Liedtexter eng mit der Gemeinde verbunden war. 

Thomas blieb aber nicht beim Holzbau, sondern folgte seinem Interesse zur Holztechnologie. Während seines Praktikums bei der Oregon State University, welches er über den Sommer absolvierte, lernte er den Einsatz verschiedener landwirtschaftlicher Reststoffe kennen, um daraus nachhaltige Plattenmaterialien herzustellen. Dieses Thema brachte er mit zurück nach Kuchl, wo er fortan gemeinsam mit dem Fachbereichsleiter für Holztechnologie, Marius Barbu, mit Nuss- und Mandelschalen und Resten der Sonnenblumenproduktion experimentierte. Die kreislauffähigen Materialien hatten es ihm angetan: „Die Nutzung von Reststoffen, zeigt aber, dass das, was wir bisher als Müll ansehen, ein wichtiger Grundstoff für Neues sein kann. Es kann wieder auf lange Zeit in einen neuen Nutzungskreislauf eingespeist werden, ohne dass wir dafür Primärrohstoffe verwenden.“, erläutert Thomas seine Motivation. 

Träume aus Schäumen

Nach dem erfolgreichen Bachelorabschluss ging es für Thomas sofort mit dem Master in Holztechnologie und Holzwirtschaft weiter. Gemeinsam mit Chemieprofessor Gianluca Tondi arbeitete er an einem Thema, welches ihn bis in die Dissertation begleiten sollte: Schäume aus Tannin. Der Holzextraktstoff Tannin kann nicht nur als biobasierter Schaum herkömmliche, erdölbasierte Schäume im Bauwesen ablösen, das hochporöse Material kann auch als biologischer Filter bei der Reinigung von Flüssigkeiten eingesetzt werden, ausgelaufene Öle resorbieren, oder als Zusatzstoff in großen Industrieprozessen eingesetzt werden. Um die Materialeigenschaften der Tanninprodukte zu verbessern, arbeitete er mit Kolleg*innen der Universitäten Salzburg und Triest zusammen. Ein bisheriges Highlight für ihn war ein Forschungsaufenthalt bei einem Teilchenbeschleuniger in Norditalien.

Nach dem Master wurde Thomas wissenschaftlicher Mitarbeiter am Department Design and Green Engineering und entschied sich zur Promotion. 2023 verteidigte Thomas seine Dissertation erfolgreich und darf sich nun Doktor der technischen Wissenschaften (Dr. techn.) nennen. Er ist damit der erste Absolvent einer kooperativen Promotion zwischen der FH Salzburg und der Paris Lodron Universität Salzburg.

Die Tätigkeit als Researcher ist für ihn eine Zeit der eigenen persönlichen Entfaltung: „Das Schöne an meiner Arbeit ist, dass ich Einblicke in ganz verschiedene Themen erhalte. Zudem ist es möglich, eigene Projekte umzusetzen, für die man sich wirklich interessiert. Die Unterstützung seitens der FH und der Kolleginnen und Kollegen dahingehend sind wunderbar.“

Der Werdegang des Holztechnologie- und Holzbau-Absolventen Thomas Sepperer zeigt, dass am Campus Kuchl der Weg vom Holztechnikum bis in die akademische Forschungswelt möglich ist – und dabei reichlich „Reststoff“ für eine beinahe unglaubliche Geschichte liefert.

#karrierewege

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