11. Jänner 2023

Mit Holzbau hoch hinaus

Nicht geradlinig, aber erfolgreich: Er kam an die FH Salzburg mit einem Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen, einer Zimmererlehre und hat sich in Kuchl mit Denkmalpflege beschäftigt. Heute ist Benedict Pielmeier, Absolvent von Holztechnologie & Holzwirtschaft, Projektleiter für das zukünftig höchste Holzhybridhaus in Deutschland.

HTW, Benedict Pielmeier

Lieber Benedict, wie ist dein Karriereweg bisher verlaufen? 

Angefangen habe ich im „Holzzentrum Deutschlands“, also in Rosenheim. Dort hatte ich aber nur am Rande mit dem Thema Holz zu tun, sondern habe Wirtschaftsingenieurwesen studiert. Nebenbei arbeitete ich in einer Zimmerei in meinem Heimatdorf. Mein damaliger Chef hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte nach meinem Bachelor bei ihm eine zweijährige Lehre zum Zimmerer zu machen. Da mir die praktische Arbeit damals mehr zusagte als der Einstieg ins Wirtschaftsingenieurwesen, habe ich eingewilligt und kam so auf den „Holzweg“. Nach der Lehre wollte ich mich weiter im Thema vertiefen und habe mich für den Masterstudiengang an der FH Salzburg entschlossen.  

Und wie kamst du zu deinem jetzigen Job in Hamburg?  

Im Zuge meines Studiums in Kuchl habe ich ein Auslandssemester an der NTNU in Trondheim, Norwegen absolviert. Dort habe ich meine Freundin kennengelernt, die damals auch im Erasmussemester war und in Hamburg studierte. Nach meinem Masterabschluss bin ich auch nach Hamburg gezogen und habe zuerst in einem Architekturbüro für Holzbau als Bauleiter gearbeitet. Dann habe ich von dem „Roots“-Projekt erfahren, dem bis dato höchsten Holzbau Deutschlands und habe mich gleich bei dem Immobilienprojektentwickler Garbe, zu welchem ich bereits berufliche Kontakte hatte, beworben. Seitdem bin ich dort Projektleiter und für die Umsetzung des Projektes verantwortlich. 

Und wie schaut dein Arbeitsalltag dort aus? 

Gemeinsam mit einem Kollegen mache ich die gesamte Projektsteuerung für das Roots-Hochhaus: Wir koordinieren die Planer und ausführenden Unternehmen, überwachen den Baufortschritt und stellen sicher, dass die Kosten, Qualität und Termine eingehalten werden. Von den ersten Entwurfsplänen bis zur Übergabe an die Kunden sind wir von A bis Z in alle Projektschritte eingebunden. Die Fertigstellung ist für das zweite Quartal 2024 anvisiert und dann wird das Roots mit 65 Metern das höchste Holzhybridgebäude Deutschlands sein. 

Was hat dich damals zum Studium an der FH Salzburg bewogen? 

Was mich am Studienort Kuchl angezogen hat war zum einen die Lage in den Bergen, denn ich bin leidenschaftlicher Bergsportler, und die Tatsache, dass ich schon einen kleinen Kreis von Freunden in der Gegend hatte. Außerdem gehört der Campus Kuchl neben Rosenheim in Deutschland oder Biel in der Schweiz zu den Zentren, wenn es um Holz und Holzbau geht.  

Im Vorstellungsgespräch für das Studium habe ich gemerkt, dass man recht offen gegenüber Bewerbern wie mir war, die keinen Bachelorabschluss in Holztechnologie mitbringen. So konnte ich als Wirtschaftsingenieur und gelernter Zimmerer sofort einsteigen.  

Welche Kenntnisse hast du hier erlangt und was davon ist dir in deinem jetzigen Job besonders hilfreich? 

Wichtig war natürlich das Grundlagenwissen über den Werkstoff Holz und daneben auch Arbeitsmethoden, die ich sehr gut im Alltag anwenden kann. Es gab einerseits einen guten Überblick über die ganze Bandbreite der Holzbranche, andererseits konnte man sich aber genau in dem Bereich vertiefen, wo das eigene Interesse lag.  

Worum ging es bei deiner Masterarbeit? 

Da ich mir damals vorstellen konnte in der Denkmalpflege tätig zu sein, habe ich mir ein Thema aus diesem Bereich gewählt. Ich habe die Holzgebäude, vornehmlich Alm- und Jagdgebäude im Nationalpark Gesäuse in der Steiermark dokumentiert. Viele sind im Begriff zu verfallen und ich wollte damit eine Dokumentation schaffen, die sich mit dem speziellen Holzbau dort auseinandersetzt und diesen für die Nachwelt erhält. Von den alten Bauweisen, die Jahrhunderte überdauert haben können wir noch einiges lernen. 

Was hat dir am besten am Studium an der FH Salzburg gefallen? Was wird dir immer in Erinnerung bleiben? 

Sehr förderlich war, dass meine Mitstudierenden aus ganz verschiedenen Bereichen kamen. Einer hat Kybernetik studiert, ein anderer Sportwissenschaften, aber alle hatte irgendwo Bezug zum Thema Holz und Holzbau. Diese Heterogenität unseres Jahrgangs war sehr bereichernd. Und natürlich war es die familiäre Atmosphäre am kleinen Campus.  

Gibt es noch etwas, was du Studieninteressierten mit auf den Weg geben willst, die überlegen, wohin ihr Weg führen soll? 

Mit dem Abschluss in Kuchl ist man nicht beschränkt auf das Thema Holz. Die Bereiche, in denen man arbeiten kann, sind so vielfältig: alle Unternehmen, die mit biobasierten Materialien zu tun haben, die Forschungswelt, die verarbeitende Industrie, der Holzbau und vieles mehr. Wenn ich mir so meine Alumni-Kolleg*innen anschaue, dann sind die in den verschiedensten Berufen gelandet. Auch ich bin in meinem jetzigen Beruf nicht auf das Thema Holzbau eingeschossen, sondern bin generalistisch unterwegs. Ich muss mich mit anderen Gewerken auskennen, mit Behörden zusammenarbeiten, eine Finanzplanung verstehen, Genehmigungen einholen und Logistik planen. Und gerade beim Holzbau, habe ich die Möglichkeit einer der Pioniere zu sein, die Projekte machen, die einzigartig sind und es bisher so noch nicht gab. 

gebogene, luftige Holzkonstruktion

Holztechnologie & Holzwirtschaft (Master)

#karrierewege

In den Alumni Stories erfahren Sie, welchen beruflichen Werdegang unsere Absolvent*innen nach dem FH-Studium eingeschlagen haben.

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