Kürzlich durften die Studierenden am Campus Kuchl einen besonderen Gast begrüßen: Der renommierte Architekt Tom Lechner gab in einem kurzweiligen und praxisnahen Vortrag Einblick in drei ausgewählte Holzbauprojekte seines Büros LP architektur ZT aus Altenmarkt. Auf Einladung von Manfred Stieglmeier, Studiengangsleiter Green Building, stellte Lechner drei interessante Bauprojekte vor.

„Tom Lechner hat sich der lokalen Baukultur verpflichtet und durch sein Einfühlungsvermögen transformiert er die Tradition vom Salzburger Raum in die Moderne und das zeichnet ihn sehr aus“, betonte Stieglmeier in seiner Einführung. Tatsächlich braucht man Tom Lechner kaum vorzustellen: Weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und geschätzt, prägt er mit seinem Büro seit nunmehr 25 Jahren das Landschafts- und Ortsbild auf vielfältige Weise. Projekte wie das Moar Gut in Großarl, das Holztechnikum oder das Gemeindezentrum in Kuchl stehen exemplarisch für seine Haltung: ästhetisch anspruchsvoll, naturverbunden und zugleich zeitgemäß.
Lechners Wurzeln im Pongau prägen sein architektonisches Schaffen bis heute. Früh setzte er sich intensiv mit der regionalen Baukultur auseinander – mit alten Höfen, traditionellen Konstruktionen und der Frage, warum diese bis heute als ästhetisch und stimmig empfunden werden. Bereits in der Anfangszeit seiner Selbstständigkeit realisierte er zahlreiche Projekte in Holzbauweise – ein Glücksfall, wie er selbst betonte, denn heute gilt Holz längst als „state of the art“.
Ein zentrales Thema seines Vortrags war das Bauen im Bestand und die damit verbundene Ortskernstärkung.
„Die Welt ist fertig gebaut – wir müssen lernen, mit dem umzugehen, was schon da ist“,
so Lechner. Die Anpassung bestehender Strukturen an heutige ökologische, gesellschaftliche und funktionale Anforderungen sieht er als eine der großen Aufgaben der Zukunft.
Mutige und anspruchsvolle Projekte
Anhand von drei Projekten erläuterte Lechner seinen Entwurfs- und Realisierungsprozess:
- Mit der Schneiderei Wimmer in Schleedorf präsentierte Lechner eine selbstbewusste Verbindung zweier Gebäudekomplexe. Durch die gezielte Entmaterialisierung mittels Glaselementen bleibt die historische Substanz spürbar erhalten, während Beton als bewusster Kontrast eingesetzt wird. Die Totalsanierung verlangte höchste handwerkliche Qualität: Kastenfenster, Tonnengewölbe und der erhaltene Tennencharakter ermöglichen eine offene Kommunikation mit dem Dorf. Das erklärte Ziel: ein Gebäude, bei dem man kaum bemerkt, „dass hier etwas passiert ist“.
- Der Umbau des Bauernhofes der Familie Wimmer zeigte eindrucksvoll, wie ein ehemaliger Wirtschaftshof mit Silotürmen in ein Wohn- und Begegnungsprojekt für eine Großfamilie transformiert werden kann. Die statisch herausfordernden Betontürme wurden zu prägenden Elementen mit beeindruckender Materialität. Sichtbeton und Holz bilden ein spannungsvolles Zusammenspiel, während die Form konsequent aus dem Bestand entwickelt wurde. Ein besonderes Detail: Ein historischer Schwellenstein, der eine beinahe mystische Verbindung zwischen Innen und Außen herstellt und schließlich sogar in einer Kapelle Verwendung fand.
- Das dritte Projekt, „Leben in der Scheune“ in der Steiermark, steht für einen bewussten Umgang mit Boden und Ressourcen. Anstatt neu zu versiegeln, wurde ein bestehender Schuppen Teil eines einfachen, voluminösen Baukörpers. Durch den Verzicht auf eine klassische thermische Hülle und eine punktuelle Fassadengestaltung blieb der ursprüngliche Charakter des Gebäudes erhalten.
Der Vortrag von Tom Lechner bot den Studierenden nicht nur wertvolle Einblicke in konkrete Projekte, sondern auch in eine architektonische Haltung, die Respekt vor dem Bestand, handwerkliche Präzision und gestalterische Klarheit vereint – ein inspirierender Beitrag zum architektonischen Diskurs an der Hochschule.