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15. November 2021

Raimund Ribitsch übergibt FHK-Präsidentschaft

Raimund Ribitsch, seit vielen Jahren in der Österreichische Fachhochschulkonferenz (FHK) vertreten und die letzten 4 Jahre deren Präsident, hat mit 15.11.2021 das Zepter an die Geschäftsführerin der FH IMC Krems, Ulrike Prommer, übergeben.

Österreichische Fachhochschulkonferenz (FHK):

  • Raimund Ribitsch (FH Salzburg) übergibt Präsidentschaft an Ulrike Prommer (FH IMC Krems)
  • „Einiges erreicht, trotz schwieriger Bedingungen“


Lesen Sie mehr zur Bilanz der letzten vier Jahre unter der Präsidentschaft unseres Geschäftsführers im Interview mit Michael Roither von den Salzburger Nachrichten:

FH Salzburg Geschäftsführer Raimund Ribitsch hat – ehrenamtlich – in den letzten vier Jahren den zweitgrößten Hochschulsektor Österreichs vertreten: mehr als 55.000 Studierende (Universitäten: zirka 265.000) an 21 Fachhochschulen und 45 Standorten in 501 Studiengängen mit jährlichen Forschungsinvestitionen jenseits der 100 Millionen Euro pro Jahr. Bei der Generalversammlung am 15. November 2021 trat Ribitsch nicht mehr an.

Im SN-Interview blickt er zurück auf Erreichtes, aber auch in die Zukunft des bewegten Hochschulsektors.

SN: Herr Ribitsch, wie sieht Ihre Bilanz nach vier Jahren Präsidentschaft aus?

Raimund Ribitsch: Gut. Ich würde sie in drei Punkte gliedern: Erstens, wir haben die Fachhochschulen weiter etabliert. Zweitens, es gibt nun bessere Rahmenbedingungen im Hochschulsektor. Und drittens haben wir für noch mehr internationale Sichtbarkeit gesorgt.

Wir sind 25 Jahre alt geworden und haben dazu ein viel diskutiertes Buch veröffentlicht, das etwas unkonventionell war, aber Aufmerksamkeit erzeugt hat. In dieser Zeit hat sich die Größe des FH-Sektors gut weiterentwickelt.

Dazu gab es in absoluten Zahlen die dringend notwendige, aber zugleich höchste Erhöhung der Studienplatzforderungen seitens des Bundes in der FH-Geschichte. Als FHK hat man im Ministerium eine vorschlagende und bittende Position — dennoch ist es gelungen, davon zu überzeugen. Dazu kommt das Erreichen der Rechtssicherheit der FH-Finanzierung durch deren Aufnahme in das FH-Gesetz.

Ein weiterer Meilenstein war die erstmalige Einführung der kooperativen Doktoratsprogramme mit Universitäten: Gerade für den wissenschaftlichen Nachwuchs wurde hier eine wichtige Tür einen Spalt aufgemacht. Seitens des Ministeriums hatte man mit 15 Anträgen gerechnet, geworden sind es 27. Und auch die Qualität ist so gut, dass bei der folgenden Ausschreibung die Fördermittel gleich um 40 Prozent erhöht wurden.

Das spricht für die Qualität des FH-Sektors und auch seiner Vertretung. International hat sich auch einiges getan: 2019/20 war ich als FHK-Präsident ein Jahr Vorsitzender von UAS4Europe (die europäische FH-Vereinigung, Anm.). Hier haben wir in einem Sektor mit 2,3 Millionen Studierenden an etwa 600 Hochschulen erstmals auf EU-Ebene aufgezeigt und europäische Policies mitentwickelt. Darüber hinaus haben es gleich drei Fachhochschulen geschafft, eine sogar federführend, Teil einer European University zu werden (von der EU geforderte strategische Hochschulpartnerschaften, Anm.).

Was uns auch gelungen ist: Zusammenhalt und Solidarität der FHs untereinander zu erhalten. Trotz einer diversen Landschaft fokussieren wir weiterhin auf gemeinsame Ziele, das ist wichtig und hat zum Erfolg beigetragen. Zusammengefasst kann ich sagen: Es waren schon vier harte Jahre, wo es nicht immer Zuversicht gab, ob wir gehört werden, wir aber dennoch einiges erreicht haben, bei schwierigen Rahmenbedingungen. Über die Ergebnisse für den FH-Sektor freue ich mich sehr, vor allem wenn man daran denkt: Ende 2017 stand kurzzeitig sogar eine Senkung der Fördersatze im Raum. Diese konnten wir nicht nur abwenden, sondern sogar umdrehen.

SN:Stichwort FH als Erfolgsgeschichte: In den Medien ist der FH-Sektor vor allem als solche zu finden. Gejammert wird selten, was für die Bildungslandschaft eher untypisch ist. Warum?

Das stimmt, wir treten nicht auf, als dass die FHs vor dem Absterben oder Verhungern sind. Wir kommunizieren positiv und output-orientiert. Wir vermitteln, was wir tun, nicht, wo unser Mangel liegt. Aber wir tun das natürlich auch aus Eigeninteresse heraus: Der Bund gibt uns eine hohe Teilfinanzierung, aber keine Vollfinanzierung, wir müssen auch um andere Gelder rennen. Und die bekommen wir nicht, wenn wir negativ kommunizieren.

SN: Wie geht es für den FH-Sektor weiter?

Es wird einen neuen Entwicklungs- und Finanzierungsplan geben, der aktuelle läuft 2022/23 aus. Inhaltlich sollte es hier nicht nur den Fokus auf MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik, Anm.) geben. Gerade Kombinationsfächer mit Sozial- und Wirtschaftswissenschaften sind gefragt. Hier braucht es ein gemeinsames Verständnis der FHs und des Ministeriums, wo die Zukunftsfelder liegen. Generell sollte deshalb der Prozess „Zukunft Hochschule" wiederaufleben. Er war ganz wichtig für das Verständnis im ganzen Hochschulsektor. Und: Es müssen auch Masterstudiengänge für den gesundheitswissenschaftlichen Bereich mit Bundesfinanzierung möglich sein. Dieser Bereich hat immer mehr Absolventinnen und Absolventen und große Perspektiven, auch in der Forschung. Dazu braucht es aber Mittel und Personal. Stichwort Forschung: Ein ganz entscheidender Punkt ist in Zukunft die nachhaltige, leistungsorientierte Forschungsfinanzierung der FHs: Wir sind mit Platz acht in Europa im Mittelfeld des „Innovation Score Boards", bei den Forschungsausgaben aber auf Platz zwei. Die FHs können einen wesentlichen Anteil dabei leisten, den Output zu verbessern. Aber das können die Erhalter der FHs nicht allein leisten.

Weiters sollte unsere Handlungsgeschwindigkeit erhöht werden, indem sich die Programmakkreditierung auf eine institutionelle Ebene bewegt. Kleinteiliges Monitoren und Berichten für über 500 Studiengange ist kaum mehr vernünftig administrierbar. Das wäre auch ein Bekenntnis zur Erwachsenheit des Sektors. Externe Qualitätssicherung soll weiterhin erfolgen, hierzu geben wir ein klares Bekenntnis ab — aber dass beispielsweise der Lebenslauf eines Lehrenden für eine Lehrveranstaltung, die in drei Jahren abgehalten wird, entscheidend ist, das ist lebensfremd in einem Sektor, der nach allen Zahlen und Evaluierungen einen hervorragenden Output liefert. Studiengange sollten auch im Zuge eines institutionellen Audits geprüft werden, ob die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die es ja ohnedies gibt, eingehalten werden. In Deutschland passiert dies bereits: Hier werden Studiengange nach ihrem Start während des laufenden Betriebs geprüft, auch mit ganz anderer Evidenz. Die Novelle des Fachhochschulgesetzes im Bereich Weiterbildung weist hier eigentlich schon den Weg: Ein Hochschullehrgang wird dann extern geprüft, wenn begründbare Zweifel an der Qualität vorhanden sind, ansonsten intern. Zudem erspart man sich dabei auch Doppelüberprüfungen wie vielfach bei institutionellen Audits und Programmakkreditierungen.

SN: Am Schluss eine persönliche Frage: Freuen Sie sich als Salzburger wieder auf etwas mehr Ruhe im Alltag mit weniger Fahrzeiten?

Ja, aber es wird auch Momente geben, wo mir das abgeht, vor allem der noch stärkere Blick auf die nationale und EU-Ebene, über den regionalen Tellerrand hinaus. Jetzt geht es jedenfalls gleich mit Tempo weiter: An der FH Salzburg arbeiten wir derzeit an der größten Organisationsreform seit ihrem Bestehen.


(Das Interview erschien am 11.11.2021 im „Journal Hochschule“, einer Beilage der Salzburger Nachrichten)

Highlights der FHK Präsidentschaft
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Highlights der FHK Präsidentschaft von Raimund Ribitsch (2018-2021) auf einen Blick


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