20. Juli 2022

Karriere in der Holz-Forschung

Der Werdegang von Holztechnologie & Holzwirtschaft- Absolvent Thomas Sepperer zeigt, dass am Campus Kuchl der Weg vom Holztechnikum bis in die akademische Forschungswelt führen kann. Seine bisherige Laufbahn war allerdings alles andere als ein „Holzweg“ – Nussschalen, Bioschäume, Hanffasern und landwirtschaftliche Reststoffe waren und sind Teil seiner Forschung.

Sauermolke und Spülmilch – das sind nicht etwa Zutaten für Thomas Sepperers Frühstückssmoothie, sondern sein „täglich Brot“ in der Arbeit als Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter der FH Salzburg. Im Forschungszweig Holz und biogene Technologien sind diese Molkereireste im Fokus eines aktuellen Projektes, bei dem er sich mit der Bindung von Ammoniak beschäftigt. Denn allein die Düngung mit Gülle verursacht rund 40 Prozent der Ammoniakemissionen in der Landwirtschaft. Sein Ausstoß muss signifikant sinken, um die Vorgaben für Höchstmengen an Luftschadstoffen einzuhalten. Denn das schädliche Gas reagiert mit anderen Partikeln und bildet Feinstaub, der nicht nur unsere Gesundheit gefährdet, sondern auch die von natürlichen Ökosystemen.

Mit Reststoffen aus der Molkerei wie Sauermolke und Spülmilch, sowie Tannin als Extraktstoff aus Holz, arbeitet Thomas Sepperer daran das Ammoniak dauerhaft zu binden, sodass es nicht freigesetzt wird. Gemeinsam mit dem Projektpartner, der landwirtschaftlichen Fachschule HBLA Ursprung, unternimmt er dazu Versuche im Labor, sowie auch ganz buchstäbliche „Feldversuche“ auf der Weide und im Stall. Die Ergebnisse sind vielversprechend, denn es zeigt sich, dass bereits bei geringer Zugabe von Molkereiresten und Tannin der Stickstoff in der Gülle gebunden bleibt und somit wesentlich weniger schädliches Ammoniak entsteht.

Vom Holzbau zur Holztechnologie zur Kreislaufwirtschaft

Dass der gebürtige Salzburger sich nun unter anderem mit Milchresten und Ammoniakemissionen beschäftigt, war aber alles andere als geplant. Angefangen hat sein Weg in die Welt der nachwachsenden Rohstoffe ganz klassisch mit einer Ausbildung am Holztechnikum Kuchl. In diesen fünf Jahren hat Thomas den Werkstoff Holz nicht nur kennengelernt, auch seine Begeisterung für das Material und dessen vielfältige Anwendungsmöglichkeiten wurde entfacht. Nach seinem Zivildienst war ihm klar, dass er das Thema weiterverfolgen möchte, und er entschied sich für das Studium Holztechnologie und Holzbau. Dank seiner Vorkenntnisse konnte er statt im ersten, direkt im dritten Semester einsteigen.

Seitdem hat er eine große Bandbreite an Projekten absolviert, die zeigt, wie vielfältig das Thema Holz und biogene Materialien sein kann. In seiner ersten Bachelorarbeit konzipierte er eine Kapelle in Holzbauweise für die Gemeinde Hintersee im Salzkammergut. Das schöne an dem Projekt: Der Bau wurde nach den Plänen des Bacheloranden umgesetzt und ist nun Denkmal für das wahrscheinlich bekannteste Weihnachtslied der Welt, „Stille Nacht, heilige Nacht“, dessen Liedtexter eng mit der Gemeinde verbunden war.

Thomas Sepperer blieb aber nicht beim Holzbau, sondern folgte seinem Interesse zur Holztechnologie. Während seines Praktikums bei der Oregon State University, welches er über den Sommer absolvierte, lernte er den Einsatz verschiedener landwirtschaftlicher Reststoffe kennen, um daraus nachhaltige Plattenmaterialien herzustellen. Dieses Thema brachte er mit zurück nach Kuchl, wo er fortan gemeinsam mit dem Fachbereichsleiter für Holztechnologie, Marius Barbu, mit Nuss- und Mandelschalen und Resten der Sonnenblumenproduktion experimentierte. Die kreislauffähigen Materialien hatten es ihm angetan: „Nicht nur die einzigartige Optik der dunklen Platten mit den groben Partikeln ist etwas ganz Besonderes, sondern auch die Tatsache, dass hier Reststoffe zum Einsatz kommen, die normalerweise höchstens verbrannt werden. Die Nutzung als Plattenwerkstoff, zeigt aber, dass das was wir bisher als Müll ansehen, ein wichtiger Grundstoff für Neues sein kann. Es kann wieder auf lange Zeit in einen neuen Nutzungskreislauf eingespeist werden, ohne dass wir dafür Primärrohstoffe verwenden.“

Weiteren prägenden Input bekam er durch ein Praktikum beim Kompetenzzentrum Holz, WoodK Plus in St. Veit, bei dem er nicht nur einen Einblick in die Forschungswelt erhielt, sondern auch andere Naturfaserwerkstoffe kennenlernen durfte: Er war an der Entwicklung eines Windrads aus Hanffasern und Hanfsamen-Harzen beteiligt.

Träume aus Schäumen

Nach dem erfolgreichen Bachelorabschluss ging es für Thomas sofort mit dem Master in Holztechnologie und Holzwirtschaft weiter. Gemeinsam mit Chemieprofessor Gianluca Tondi arbeitete er an einem Thema, welches ihn bis in die Dissertation begleiten sollte: Schäume aus Tannin. Der Holzextraktstoff Tannin kann nicht nur als biobasierter Schaum herkömmliche, erdölbasierte Schäume im Bauwesen ablösen, das hochporöse Material kann auch als biologischer Filter bei der Reinigung von Flüssigkeiten eingesetzt werden, ausgelaufene Öle resorbieren, oder als Zusatzstoff in großen Industrieprozessen eingesetzt werden. Um die Materialeigenschaften der Tanninprodukte zu verbessern, arbeitete er mit Kolleg*innen der Universitäten Salzburg und Triest zusammen. Ein Highlight für ihn bisher war ein Forschungsaufenthalt bei einem Teilchenbeschleuniger in Norditalien.

Thomas ist nun als Junior Researcher und Doktorand an der Fachhochschule tätig und bearbeitet neben den Projekten mit Molkereireststoffen zu Treibhausgasminderung in der Landwirtschaft auch andere Forschungsthemen. Beim Projekt „Smart Materials“ ist er an der Entwicklung von innovativen Oberflächen beteiligt, die zwar biologischen Ursprungs sind, aber dennoch eine elektrische Leitfähigkeit besitzen oder eine hohe Transluzenz haben. Auf diese Weise entstehen Displays aus Holz, die mittels Touch gesteuert werden, und beispielsweise als Armatur im Fahrzeuginterieur zum Einsatz kommen können.

„Das schöne am Doktorat ist, dass ich Einblicke in ganz verschiedene Themen erhalte. Zudem ist es möglich, dass wenn man Eigeninitiative und Motivation zeigt, man Projekte umsetzen kann, für die man sich wirklich interessiert. Die Unterstützung seitens der FH und der Kolleg*innen dahingehend ist wunderbar. Aber wohin die Reise geht, kann ich nicht sagen. Es gibt so viele spannende Themen, die ich bisher in Kuchl kennengelernt habe.“