Wie können Digitalisierung und Künstliche Intelligenz die Pflege sinnvoll unterstützen – und warum braucht es dafür mehr Frauen in der IT? Darüber sprach Cornelia Schneider, seit Mai 2026 Leiterin des Departments Information Technologies and Digitalisation an der FH Salzburg, in ihrer Keynote zur Eröffnung der diesjährigen ditact women's IT summer studies in Salzburg.

Mit einem neuen Anmelderekord sind die ditact women's IT summer studies am 24. August in ihr 24. Jahr gestartet. 180 Teilnehmerinnen haben sich für insgesamt 33 Kurse angemeldet. Der diesjährige Schwerpunkt „Health IT“ verbindet dabei zwei Themenfelder, die auch für Forschung und Lehre an der FH Salzburg von großer Bedeutung sind: Digitalisierung und Gesundheit.
Einen zentralen Impuls zur Eröffnung setzte Cornelia Schneider, Head of Department Information Technologies and Digitalisation, mit ihrer Keynote „Digitalization and AI in Home Care: An Opportunity for Women in IT“.
Digitalisierung ist kein Allheilmittel
Eine dieser Herausforderungen ist die wachsende Lücke zwischen der Zahl pflegebedürftiger Menschen und den verfügbaren Pflegekräften. Digitale Technologien und KI können hier unterstützen – etwa bei Management und Verwaltung, beim Informationsaustausch, bei Pflegetätigkeiten, bei Training und Schulungen oder durch technische Assistenz im Alltag.
Entscheidend sei jedoch, Technologien nicht um ihrer selbst willen einzusetzen. Vielmehr müssten digitale Lösungen so gestaltet werden, dass sie den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen entsprechen und sinnvoll in den Pflegealltag integriert werden können.
Pflegewissen und IT zusammenbringen
Genau darin sieht Schneider auch eine große Chance für Frauen in der IT. Ein Großteil der Pflegearbeit wird von Frauen geleistet. Ihre Erfahrungen und ihr Wissen aus der Praxis seien deshalb unverzichtbar, wenn Technologien entstehen sollen, die im Pflegealltag tatsächlich funktionieren und angenommen werden.
Gleichzeitig besteht noch eine deutliche Lücke zwischen technologischen Möglichkeiten und ihrer Anwendung in der Praxis. Gefragt sind daher insbesondere Expert*innen, die beide Welten verstehen und als Bindeglied zwischen Pflege und IT fungieren können.
Schneiders Appell an die Teilnehmerinnen: Die digitale Transformation des Gesundheitswesens nicht nur nutzen, sondern aktiv mitgestalten. Gerade an der Schnittstelle von Gesundheit, Pflege und Informationstechnologie werden Kompetenzen und Perspektiven von Frauen dringend gebraucht.
Auch die Frage nach technologischer Souveränität sprach Schneider an. Neben der stärkeren Nutzung bereits vorhandener Möglichkeiten brauche es europäische Lösungen, um bei zentralen digitalen Technologien langfristig Abhängigkeiten von anderen Staaten zu vermeiden.
Technologie muss den Menschen dienen
Im anschließenden Panel diskutierte Schneider gemeinsam mit Vertreter*innen aus Politik, Medizin, Wissenschaft und IT über die Voraussetzungen für einen sinnvollen Einsatz digitaler Technologien im Gesundheitswesen.
Einigkeit bestand insbesondere darin, dass dafür die Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen notwendig ist. Neben Medizin und Informatik spielen auch Recht, Datenschutz, Security und Ethik eine wesentliche Rolle. Digitalisierung und KI können dann einen echten Mehrwert schaffen, wenn sie Menschen unterstützen, gut durchdachte Prozesse erleichtern und Gesundheitsfachkräften mehr Zeit für Patient*innen ermöglichen.
Neue Leitung des IT-Departments

Cornelia Schneider
Cornelia Schneider leitet seit Mai 2026 das Department Information Technologies and Digitalisation der FH Salzburg. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich insbesondere mit der Entwicklung nutzerzentrierter Informationstechnologien für ältere Menschen und deren Betreuungsnetzwerke. Schwerpunkte sind dabei die Akzeptanz, Usability und nachhaltige Integration digitaler Technologien in den Alltag. Mit ihrer Expertise an der Schnittstelle von Technologie, Gesellschaft und Digitalisierung bringt sie damit auch einen Forschungsschwerpunkt in die Leitung des Departments ein, der angesichts der demografischen Entwicklung und des zunehmenden Einsatzes von KI und digitalen Assistenzsystemen weiter an Bedeutung gewinnt.
„Digital technologies are not a silver bullet but they can help us to address many of the challenges more effectively“, betonte Schneider in ihrer Keynote.