Nicht jede Patientin und nicht jeder Patient kann für eine orthoptische Untersuchung in die Ambulanz kommen. Dann muss die Untersuchung an die jeweilige Situation angepasst werden. Unsere Studierenden erlebten im Rahmen der Selbsterfahrung beide Perspektiven: als Untersuchende und als Patient*innen.

Nach einem Unfall, bei Frakturen, nach einem Schlaganfall oder aufgrund des Allgemeinzustandes kann es notwendig sein, Patient*innen direkt am Bett auf der Station zu untersuchen oder sie im Bett auf die Augenklinik zu bringen. Für unsere Studierenden bedeutet das: Die Untersuchung muss an die jeweilige Situation angepasst werden. Welche Untersuchungen sind unter den gegebenen Bedingungen sinnvoll und möglich? Was kann die Patientin oder der Patient körperlich leisten? Und was, wenn eine verbale Kommunikation nicht oder nur eingeschränkt möglich ist?
Ein Perspektivwechsel für unsere Studierenden
Im Rahmen der Selbsterfahrung durften unsere Studierenden genau diese Situation aus beiden Perspektiven erleben: einmal als Untersuchende und einmal als Patient*innen. Denn eine Untersuchung am Bett ist nicht einfach eine „normale“ Untersuchung an einem anderen Ort. Wenn Patient*innen bewegungseingeschränkt oder sogar bewegungsunfähig sind, können sie beispielsweise nicht einfach zurückweichen, ihre Position verändern oder sich der Situation entziehen.
Wie fühlt es sich an, wenn der Untersucher zu nahe kommt?
Wie wirkt es, wenn plötzlich jemand über einem steht oder sich sogar auf das Bett setzt?
Was macht eine ohnehin belastende Situation noch unangenehmer – und was kann sie erträglicher machen?
Durch diesen Perspektivwechsel erfahren die Studierenden unmittelbar, wie wichtig Nähe und Distanz, Kommunikation, Rücksichtnahme, nonverbale Signale und ein respektvoller Umgang sind. Ziel ist nicht nur, die richtigen Untersuchungen auswählen und durchführen zu können, sondern Patient*innen auch in herausfordernden Situationen sicher, respektvoll und möglichst angenehm durch die Untersuchung zu begleiten. Denn eine gute orthoptische Untersuchung bedeutet nicht nur "Was untersuche ich?" Sondern auch "Wie untersuche ich einen Menschen in seiner individuellen Situation?"