Am 30. April 2026 wurde im Museum der Moderne Salzburg am Mönchsberg die Ausstellung „Charlotte Perriand. Moderne leben“ feierlich eröffnet. Neben zahlreichen Möbelstücken, Fotografien und Architekturentwürfen der einflussreichen Designerin und Architektin zählt eine besondere Installation zu den Highlights: die 1:1-Rekonstruktion des Biwaks „Refuge Bivouac“ - das als Gemeinschaftsprojekt von Studierenden der FH Salzburg und der TU München entstand.

Das außergewöhnliche Bauwerk entstand im Rahmen eines hochschulübergreifenden Projekts der Fachhochschule Salzburg und der Technischen Universität München (TUM). Studierende beider Institutionen arbeiteten gemeinsam an der detailgetreuen Nachbildung der in den 1930er-Jahren entworfenen Schutzhütte. Nach Ende der Ausstellung wird die Rekonstruktion in die ständige Sammlung des Museums der Moderne aufgenommen und damit zu einem besonderen Kulturgut in Österreich.

Praxisprojekt mit internationaler Zusammenarbeit
Vier Studierende des Bachelorstudiengangs Green Building – Design & Engineering der FH Salzburg setzten das Projekt gemeinsam mit Studierenden der TU München um. Die Zusammenarbeit erfolgte im Rahmen eines DesignBuild-Projekts mit dem Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren von Prof. Florian Nagler.
Die Studierenden übernahmen dabei den gesamten Prozess: von der historischen Recherche über die Erstellung von Konstruktionszeichnungen bis hin zur Materialbeschaffung und Umsetzung. Unterstützt wurden sie unter anderem durch umfangreiches Planmaterial, Detailfotografien sowie Recherchen mit Unterstützung der Familie Perriand. Der Aufbau der Konstruktion fand in der Design Factory 1:1 der TU München statt.
„Für unsere Studierenden war ein derartiges Projekt als historische Rekonstruktion und als hochschulübergreifende Zusammenarbeit unheimlich interessant und bereichernd“, betont Manfred Stieglmeier, Studiengangsleiter Green Building an der FH Salzburg.
Architektur zwischen Geschichte und Gegenwart
Das „Refuge Bivouac“ wurde von Charlotte Perriand ursprünglich als moderne Schutzhütte für alpine Regionen konzipiert. Die heutige Rekonstruktion macht ihre visionären Ideen erneut greifbar und eröffnet gleichzeitig neue Perspektiven: Themen wie nachhaltiges Bauen, Ressourcenschonung und zeitgemäßes Wohnen stehen dabei im Mittelpunkt. Im Projekt wurde daher auch untersucht, wie sich das historische Konzept mit modernen Technologien und Materialien weiterdenken lässt – ein Ansatz, der die Relevanz von Perriands Arbeit für aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen unterstreicht.

Internationale Ausstellung mit Signalwirkung
Die Ausstellung „Charlotte Perriand. Moderne leben“ würdigt das umfassende Werk der Architektin, Designerin und Fotografin. Gleichzeitig trägt sie dazu bei, Perriand stärker als eigenständige Gestalterin sichtbar zu machen – jenseits ihres langjährigen Wirkens im Umfeld von Le Corbusier.
Bei der Eröffnung im Museum der Moderne in Salzburg wurde die Rekonstruktion des Biwaks als herausragendes Beispiel für die Verbindung von Forschung, Lehre und Praxis besonders hervorgehoben. Auch prominente Gäste wie Landeshauptmann-Stellvertreter Stefan Schnöll sowie Vertreter*innen aus Hochschule und Museum würdigten das Projekt.
Lernen am realen Objekt
Für die beteiligten Studierenden war das Projekt mehr als eine klassische Lehrveranstaltung: Es bot die Möglichkeit, theoretisches Wissen unmittelbar in die Praxis umzusetzen, interdisziplinär zu arbeiten und ein reales Bauwerk entstehen zu lassen, das nun Teil eines Museums wird.
Tipp: Ausstellungsgespräch am 18.06.2026
Am Donnerstag, 18. Juni 2026, 18–19 Uhr findet im MdM ein Ausstellungsgespräch statt: “Minimaler Raum auf maximaler Höhe – Charlotte Perriands Biwak”
Manfred Stieglmeier (FH Salzburg) und Matthias Kestel (TU München) im Gespräch mit Kunstvermittlerin Alba Belhadj Merzoug über die Rekonstruktion von Charlotte Perriands alpiner Schutzhütte
Mönchsberg Ticket + € 4