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16. Dezember 2020

Virtuell & vernetzt: Eine paneuropäische virtuelle Holz-Universität

Gemeinsames Lehrangebot vier europäischer Hochschulen: LAB University in Lahti (FIN), der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach (D), der Technischen Universität Tallinn (EST) und der FH Salzburg (AT).

Bereits zwei Jahre vor Beginn der Corona-Pandemie – die nicht nur im Bildungsbereich für einen starken Digitalisierungsschub sorgte – entstand die Idee, Lehrinhalte aus dem Bereich Holztechnologie und Holzwirtschaft gemeinsam und virtuell durchzuführen. Und das über tausende Kilometer und Ländergrenzen hinweg.

Zukunft der Holzausbildung

Die Idee entstand bei einem Fachkongress in Finnland, wo europäische Universitäten über die Zukunft der Hochschulausbildung im Holzbereich diskutierten. „Der ‚War-for-Talents‘ ist mittlerweile auch in der europäischen Hochschullandschaft für Holzwirtschaft bzw. Holztechnologie angekommen“, erklärt FH-Prof. Ing. Mag. Günter Berger. So mussten in Finnland bereits fast alle Hochschulen, die diese Ausbildung anbieten, aufgrund zu weniger Studierenden schließen. Doch der Erfolg der Digitalisierung am Beispiel der LAB University of Applied Sciences in Finnland gab die Inspiration für das Projekt: Dort konnten neben den Präsenzstudierenden über Distance-Learning Programme weitere 50 Studierende gewonnen werden. Diese waren teilweise bis zu 1.000 km von der Hochschule entfernt und konnten berufsbegleitend ihr Studium absolvieren.

Virtualisierung des Studiums

Flexibilisierung, geografische Entkopplung und die Möglichkeit, das Studium mit dem Beruf zu verbinden, sind immer stärker nachgefragte Entwicklungen in der Hochschulausbildung. Ein Angebot dafür entwickelt das Team unter der Leitung von FH-Prof. Günter Berger im Rahmen des Erasmus+ geförderten Projektes in den kommenden 3 Jahren.

Gemeinsam mit Lehrenden der vier Hochschulen - der LAB University in Lahti (FIN), der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mosbach (D) und der Technischen Universität Tallinn (EST) – werden im Rahmen eines mit 217.000€ dotierten Erasmus+-Projektes virtuelle Lehrveranstaltungen entwickelt und gemeinsam umgesetzt.

Der erste Corona bedingte Lockdown im März 2020 bewies zwar, dass Hochschulen im Bedarfsfall relativ schnell auf Online-Betrieb umstellen konnten. Eine konsequente digitale und didaktisch versierte Lehre im Hochschulbereich bietet jedoch weitaus größere Möglichkeiten als lediglich Vorlesungen vom Hörsaal in den virtuellen Raum zu übertragen", so Günter Berger.

Ein Plus durch Perspektivenwechsel

Den Zuschlag des Förderprogramms der Europäischen Union erhielt das Projekt vor allem deshalb, weil die virtuellen Lehrveranstaltungen immer von mindestens zwei DozentInnen aus den jeweiligen Partnerländern gemeinsam entwickelt und durchgeführt werden. Dabei sollen vor allem auch die verschiedenen Perspektiven auf Märkte, Technologien und Anwendungen von Holz in den Partnerländern integriert werden.

Die Holzindustrie agiert seit langem global, die Hochschulen bilden aber weiterhin national aus. Daher gibt es dringenden Handlungsbedarf“, ergänzt Günter Berger.

Virtuelles Erasmus-Semester

Für die Studierenden ergibt sich zudem ein inhaltlicher Mehrwert, den es in dieser Form in Europa derzeit noch nicht gibt. Als Ziel des 3-jährigen EU-Projektes soll ein virtuelles Erasmus-Semester entstehen, in dem auch Studierende, die aus privaten, finanziellen, örtlichen oder beruflichen Gründen kein Auslandssemester machen können, internationale Erfahrungen sammeln können.

Seit dem Projektstart im September 2020 werden bereits gemeinsame Unterrichtsmodule entwickelt, die ab dem Sommersemester 2021 angeboten werden. So ist Günter Berger von der FH Salzburg gerade mit Hubert Speth, Studiengangsleiter der deutschen Hochschule, dabei, das Modul „Entrepreneurship in der Holzbranche“ zu entwickeln. Gemeinsam mit Jaan Kers aus Tallinn soll eine Gegenüberstellung von CLT und LVL entstehen, zwei sich ähnelnde Marktinnovationen mit verschiedenen tradierten Hintergründen in Mitteleuropa und Skandinavien.

Vision eines virtuellen Studiengangs

Das Projekt bietet aber auch viel Potenzial über die dreijährige Laufzeit hinaus: Es bildet die Grundlage und Voraussetzung für die Vision eines paneuropäischen, virtuellen Studiengangs der Holztechnologie und Holzwirtschaft mit weiteren Partnern aus anderen europäischen Ländern.